In den kommenden Wochen und Monaten werden die Planungen zur Restaurierung der Orgel weiter voranschreiten. Bereits heute ein herzliches Dankeschön allen die eine Tastenpatenschaft übernommen haben oder das Projekt mit einer großzügigen Spende unterstützen.
Zuhören sind die Register Salicional 8′ Fernflöte 8′ und Flöte 8′ im Positiv sowie das Register Gedackt 8′ des Hauptwerks mit der Koppel Positiv an Hauptwerk. Am Ende des Stücks erklingt das Register Fernflöte 8′ alleine. Das Rauschen ist der undichten Balganlage geschuldet. Das Klappern der Mechanik ist ein weitere Grund für die dringend notwendige Restaurierung der Orgel.
Heute am dritten Advent gehen wir auf eine abenteuerliche Reise mit dem Orgelbauer Ludwig Hünd. Nach seiner Lehrzeit arbeitete Ludwig einige Jahre bei Orgelbau Bätz in Utrecht. Von dort aus reiste er am 22. November 1841 mit dem Schiff „Wilhelmina Catherina“ nach Batavia, dem heutigen Djakarta auf Indonesien. Zusammen mit der gut verpackten Orgel erreichte das Schiff nach über fünf Monaten im Mai 1842 sein Ziel. Die Montage der Orgel verzögerte sich jedoch, da die Orgelempore der Willemskerk, heute Immanuelskerk noch nicht fertiggestellt war.
Am 16. Juli 1843 fand die Einweihung der Orgel nun endlich statt. Die Reise mit dem Schiff zurück nach Utrecht dauerte wieder einige Monate so das Ludwig Hünd am 6. Februar 1844 zurück in den den Niederlanden war. Als Lohn erhielt er 2000 Gulden, und weitere 1000 Gulden wegen des ungeplant, langen Aufenthalts in Djakarta.
Weitere Interessante Angaben zur Orgel sind zu finden unter:
Beginnt man damit eine Orgel genauer unter die Lupe zu nehmen, entdeckt man auf einmal Dinge mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte. Diese kleinen Pergamentfragmente sind eine solche Entdeckung. Auf den sogenannten Nüssen der Posaune 16’ entdecke man Fragmente einer Handschrift die wohl aus dem 14. Jahrhundert stammt.
Dieses Pergament wurde entweder von Ludwig Hünd, oder wahrscheinlich später von einem Orgelbauer als Dichtungsmaterial zwischen „Stiefel“ und der darin sitzenden „Nuss“ verwendet. Auf den Pergamentstreifen erkennt man vier zusammengehörende Notenlinien. Die gelbe obere sowie die rote mittlere Linien geben an, wo sich die Halbtonschritte befinden. Heute verwenden wir dafür unsere bekannten Violin- oder Bassschlüssel. Die Noten sehen auch noch etwas anders aus als unsere Noten die wir heute verwenden. Diese alte Notenschrift nennt man Hufnagelnotation, da ihre Form an Hufnägel erinnert.
Aber wie kommt diese Handschrift in die Orgel in Landkern? Dieser Frage soll in nächster Zeit noch etwas nachgegangen werden, ebenso soll geklärt werden welchen Gesängen die Noten und Texte zuzuordnen sind. Die Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte dazu geführt, dass viele Klosterbibliotheken aufgelöst wurden, somit ist zu vermuten das diese Fragmente zu einem Buch gehörten welches aus einer aufgelösten Bibliothek stammt.
Die Orgel von Ludwig Hünd ist ein Instrument mit zwanzig klingenden Registern auf zwei Manualen und Pedal. Die sichtbaren Pfeifen, Prospektpfeifen genannt, sowie alle weiteren Register sind dem originalen Pfeifenwerk zuzuordnen. Viele Orgeln aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden später grundlegend verändert, gingen im Krieg verloren oder wurden wegen neuer klanglichere Vorstellungen ersetzt. Glücklicherweise ist die Orgel in ihrer historischen Substanz weitestgehend erhalten. Es ist damit eines der wenigen erhaltenen Instrumente von Ludwig Hünd. Die Pfeifen des Violon 16’ wurden um 1900 von Orgelbau Gerhardt aus Boppard hinzugefügt.
Ein kleines Wunder:
Im Ersten Weltkrieg wurden zur Herstellung von Munition sämtliche aus Zinn hergestellten Prospektpfeifen beschlagnahmt und eingeschmolzen. Im gesamten Rheinland gibt es wohl weniger als 20 Orgeln mit ihren originalen Prospektpfeifen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Die Orgel in Landkern gehört zu diesen Instrumenten. Die eingeschmolzenen Pfeifen wurden meist durch Zinkpfeifen ersetzt und für ein schöneres Erscheinungsbild mit Metallfarbe angestrichen. Bis 2024 wurde davon ausgegangen, dass es sich, auch in Landkern, um später hergestellte Pfeifen aus Zink handelt, da auch diese angestrichen sind. Johan Zoutendijk von Orgelbouw Verschueren erkannte, dass es ich um die originalen Zinnpfeifen handeln muss, auch weil die Registerbeschriftungen Ludwig Hünd klar zuzuordnen sind.
Disposition:
Hauptwerk C – f3
Bordun Principal Gamba Gedackt Octav Gedackt Quinte Octav Cornett 4 fach Mixtur 2 – 3 fach Trompete Bass Trompete Disc.
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier….
An den kommenden Adventssonntagen werden kurze Beiträge rund um die Orgel das Warten auf Weihnachten etwas verkürzen. Viel Freude beim Lesen und eine gesegnete Adventszeit.
Bei der Restaurierung der Orgel müssen auch die 108 Tasten der Manualklaviaturen rekonstruiert werden. Wenn Sie die Restaurierung finanziell unterstützen möchten, können Sie gerne eine Tastenpatenschaft übernehmen. Rückseitig werden die Tasten mit den Namen der Paten beschriftet. Somit werden auch unsere Nachfahren noch erkennen, dass viele Menschen zum Erhalt der Orgel im Jahr 2026 beigetragen haben.
Patenschaft Halbton 54 Euro Patenschaft Ganzton 108 Euro
Der Betrag kann entweder bar im Pfarrbüro Kaisersesch oder als Überweisung gespendet werden.
!! Auf dem Flyer ist die Bankverbindung falsch angegeben!!
Seit der wohl ersten Erwähnung eines Hofes mit dem Namen „Kern“ im Jahr 1051 werden im kommenden Jahr 975 Jahre vergangen sein. Seit 1512 wurde die Hl. Messe in einer kleinen Kapelle gefeiert, so dass man nicht mehr an sämtlichen Sonntagen den Weg zur Pfarrkirche nach Klotten antreten musste. Im Jahr 1862 am 22. Juli, dieses Jahr also vor 163 Jahren, weihte Bischof Wilhelm Arnoldi aus Trier die neue Pfarrkirche zu Landkern.
Heute im Jahr 2025 zählen wir keine Feuerstellen mehr, wie noch 1563, damals waren es 14 an der Zahl. Heute Zählen wir Einwohner und kommen auf knapp 1000. Es hat sich also recht viel getan in den fast 975 Jahren. Viele Generationen von Bauern, Handwerkern, Bäckern, Metzgern, Kauf- und Wirtsleuten haben das Ortsbild geprägt.
Dann sollten die vielen Pfarrer nicht vergessen werden, die in den vergangenen Jahrhunderten in Landkern ihren Dienst taten. Die einen wohlgeschätzt, die anderen wegen ihres unseligen Verhaltens von der Dorfbevölkerung verachtet.
Das heute solch eine Kirche mitten im Ort steht, konnte nur durch den Willen der Einwohner gelingen. Somit ist dieser Bau auch weniger Eigentum der Institution Kirche als das Zeugnis engagierter Landkerner Bürger und Bürgerinnen. Der Glaube ist heute wohl bei den wenigsten Motivation, solch einen Bau erhalten zu wollen. Die erlebten Enttäuschungen mit der Katholischen Kirche haben ihre Spuren hinterlassen. Auch diese Entwicklung gehört zu unserer Geschichte. In unseren Händen liegt nun wie sich die Geschichte fortschreiben wird.
Eine Stiftung die sich besonders für den Erhalt der Natur, Kultur und Denkmäler in der Eifel einsetzt ist die EifelStiftung mit Sitz in Dahlem – Kronenburg. Wir freuen uns sehr, dass die Restaurierung der Hünd-Orgel von der Eifel Stiftung mit einem Betrag von 2000 Euro unterstützt wird. Herzlichen Dank!
Ludwig Hünd wurde am 26. April 1812 in Bocholt, nahe der niederländischen Grenze geboren. Bei welchem Orgelbauer der junge Ludwig seine Ausbildung erhielt, ist nicht überliefert. Jedoch ist belegt, dass er um 1840 als Orgelbauer bei der Firma Bätz in Utrecht arbeitete. Zur Montage einer Orgel von Bätz reiste Ludwig Hünd nach Batavia, dem heutigen Djakarta auf Indonesien. Nach seiner Rückkehr 1844 arbeitete er noch bei unterschiedlichen Orgelbauern im Rheinland, bevor Ludwig Hünd um 1850 in Linz am Rhein seine Werkstatt eröffnete. Sein vormaliger Arbeitgeber, Wilhelm Sonreck aus Köln war bekannt dafür, sich zu ehemaligen Angestellten abfällig zu äußern. Besonders dann, wenn es sich um talentierte Handwerker handelte. So traf es auch Ludwig Hünd. Sein Talent und die hohe Qualität seiner Arbeit wurde jedoch trotz der anfänglichen Rufschädigung bald wahrgenommen. Es folgten, eine Vielzahl von Aufträgen für Um- und Neubauten. 1868 heiratete Ludwig Hünd Katharina Rosalie Schmidt aus Koblenz. Nach einem ereignisreichen Leben verstarb Ludwig Hünd am 26. Mai 1899 im Alter von 87 Jahren in Linz. Seine Werkstatt wurde von Johann Stockhausen weitergeführt.
Weitere Informationen zu Ludwig Hünd finden sich in dem Artikel «Der Orgelbauer Ludwig Hünd» von Franz-Josef Vogt (Acta Organologica, Nr. 29, 2006, p. 331-358).